Über unsere Erkrankungen

Was ist ein Lymphödem?

Ein Lymphödem ist eine Erkrankung des Bindegewebes, die durch eine mechanische Insuffizienz (Funktionsschwäche) des Lymphdrainagesystems infolge einer Schädigung von Lymphgefäßen und/oder Lymphknoten entsteht. Die täglich in den Zwischenzellräumen anfallende, eiweißhaltige Flüssigkeit (lymphpflichtige Last) kann durch die Schädigung nicht mehr bedarfsgerecht über das Lymphgefäßsystem abtransportiert werden und führt zu einer Ansammlung und einem Rückstau im Gewebe. Eine sichtbare und tastbare Schwellung (Lymphödem) im betreffenden Körperbereich ist die Folge. Vorrangig tritt die Schwellung an den Gliedmaßen auf, aber auch andere Körperteile wie z.B. Gesicht, Hals, Rumpf und Genitalien können davon betroffen sein. Die Lymphabflussstörungen sind in der Regel irreversibel und das Lymphödem damit dauerhaft behandlungsbedürftig.

Die Schädigung der Lymphgefäße bzw. Lymphknoten kann angeboren (primäres Lymphödem), oder z.B. durch Verletzung, entzündliche Prozesse und Fettleibigkeit erworben worden sein (sekundäres Lymphödem). Manchmal tritt ein Lymphödem auch als  Begleitsymtpom eines Gendefektes auf.

Behandlung des Lymphödems

In erster Linie wird das Lymphödem konservativ mit der sog. “Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie (KPE)” behandelt. Sie besteht aus einer Kombination verschiedener Maßnahmen wie

  • manueller Lymphdrainage
  • Kompression / Bandagierung
  • Bewegung / entstauende Gymnastik (KG)
  • Hautpflege sowie
  • Aufklärung des Patienten mit Anleitung zur Selbstbehandlung

Darüber hinaus werden bei der KPE zwei Phasen unterschieden:

  • Phase 1 – Entstauung
  • Phase 2 – Erhaltung und Optimierung

In der Phase 1 wird das Lymphödem täglich durch manuelle Lymphdrainage (MLD), Kompressionsverbände, entstauende Bewegungsübungen und begleitende Hautpflege behandelt. Ziel dieser Maßnahmen ist eine intensive Entstauung des Gewebes sowie die Lockerung des verhärteten Bindegewebes. Die Entstauungsphase erstreckt sich je nach Ausprägung des Lymphödems über einen Zeitraum von 2-4 Wochen und kann entweder ambulant oder stationär durchgeführt werden.

In der Phase 2 geht es anschließend darum, den erreichten Zustand nach der Entstauung möglichst lange aufrecht zu erhalten bzw. möglichst noch zu verbessern.

Die Hautpflege sollte auch in dieser Phase weiterhin täglich erfolgen. Die manuelle Lymphdrainage kann hingegen je nach Zustand auf ein bis drei Behandlungen pro Woche reduziert werden. Die Bandagen werden durch eine medizinische, maßgefertigte, flachgestrickte Kompressionsversorgung ersetzt. Die Bewegung in Kompression ist in jedem Fall fortzuführen. Je nach Ausprägung und Ursache des Lymphödems müssen diese Maßnahmen lebenslang fortgeführt werden. Bei Verschlechterung des Ödems wird die Phase 1 wiederholt.

Beide Phasen sollten in jedem Fall durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung, sowie regelmäßige Bewegungseinheiten ergänzt werden. Die aktive Mitarbeit des Patienten („Compliance“) ist unumgänglich, um den Erfolg der konservativen Therapie möglichst konstant zu halten. Die Lebensweise sollte in jedem Fall so gestaltet werden, dass die lymphpflichtige Last nicht erhöht bzw. die Transportkapazität der Lymphgefäße nicht noch mehr gefährdet wird.

Hautpflege

Die Haut muss täglich gründlich gereinigt und gepflegt werden, um Verletzungen, Entzündungen, Infektionen und Wundheilungsstörungen vorzubeugen. Beim Lymphödem ist die häufigste Komplikation die Wundrose (Erysipel), eine bakterielle Infektion, welche die Schwellung deutlich verschlimmern kann.

Durch die Bandagierung in Phase 1 oder die Kompressionsbestrumpfung in Phase 2 ist die Haut zudem ständig in Gefahr, auszutrocknen, rissig oder schuppig zu werden. Durch die tägliche Pflege mit pH-neutralen Reinigungs-Produkten und speziellen, rückfettenden / feuchtigkeitsspendenden Lotionen können die Risiken deutlich minimiert werden.

Manuelle Lymphdrainage (ML)

Der Therapeut beginnt zunächst mit der zentralen Anregung der Lymphgefäße im Hals-, Achsel-, Bauch- und Leistenbereich. Dabei wird die lymphpflichtige Last immer in Richtung des Herzens zum funktionellen Bereich des Lymphgefäßsystems geleitet. Die manuelle Lymphdrainage zeichnet sich durch kreisförmige, großflächige Bewegungen in Kombination mit bestimmten Dreh-, Pump- und Schöpfgriffen unterschiedlicher Stärke aus, wobei der Lymphabfluss in den funktionierenden Lymphgefäßen erhöht wird und die eiweißreichen Ablagerungen im Bindegewebe gelockert werden.

Bei folgenden Erkrankungen darf die manuelle Lymphdrainage jedoch nicht bzw. nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt durchgeführt werden:

  • akuten Infekten bzw. akut entzündlichen Erkrankungen
  • bekannten Herzerkrankungen
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
  • unklarem Tumorbefund
  • Venenthrombose

Kompressionstherapie

Die Kompression wichtiger Bestandteil der KPE, um nach jeder manuellen Lymphdrainage über Druck von außen, die positive Wirkung der Behandlung durch den Lymphtherapeuten zu erhalten bzw. um den Rückfluss der Lymphe in die entstaute Extremität zu minimieren.

In der Phase 1 erfolgt die Kompression direkt im Anschluß an die manuelle Lymphdrainage durch einen mehrlagigen, lymphologischen Kompressionsverband mit Kurzzugbinden und in Kombination mit weichen Polstermaterialien. Die wesentliche Eigenschaft der Kurzzugbinden ist ein hoher Arbeitsdruck bei niedrigem Ruhedruck. Arbeitsdruck nennt man den Druck, den die Bandagen bzw. der Kompressionsstrumpf auf die Extremität ausübt, wenn die Muskulatur bei Bewegung angespannt wird. Der Muskel dehnt sich dann aus und erzeugt dadurch einen Druck gegen den Widerstand der Bandage bzw. den Strumpf. Deshalb entfalten Kompressionsbandagen bzw. -strümpfe  ihre Wirkung am optimalsten bei Bewegung.  Der Lymphabfluss wird dadurch optimal gefördert.

Um das positive Ergebnis der Entstauung zu erhalten, kommen in der anschließenden Phase 2 medizinische Kompressionsstrümpfe in Flachstrickqualität zum Einsatz. Da diese bei der Herstellung Reihe für Reihe gestrickt werden und damit jederzeit Maschen zu- oder abgenommen werden können, lassen sich flachgestrickte Kompressionsstrümpfe optimal an die Erfordernisse des jeweiligen Patienten anpassen.

Im Vergleich zum Kompressionsverband sind Kompressionsstrümpfe alltagstauglich und einfach zu handhaben. Diese Art der Versorgung muss in jedem Fall maßgefertigt sein, um die schwankenden Umfänge der jeweiligen Extremität optimal zu versorgen. Flachstrickversorgungen gibt es für Hände, Arme, Kopf, Thorax, Zehen und Beine in vier verschiedenen Kompressionsklassen. Die Wahl hängt von der Ausprägung des jeweiligen Lymphödems ab.

MERKE: Keine manuelle Lymphdrainage ohne anschließende Kompression!

Bewegung / entstauende Gymnastik (KG)

Egal, welche Form der Kompression verwendet wird, die Bewegung ist in jedem Fall ein wesentlicher Bestandteil der KPE, denn nur dadurch können die Therapiemaßnahmen ihre volle Wirkung entfalten. Durch Bewegung kontrahiert sich die Muskulatur, die Muskelpumpen werden aktiviert und es kommt zu einer Entstauung der betroffenen Extremität. Gezielte, sorgfältig ausgewählte und abgestimmte Gymnastikübungen ergänzen den therapeutischen Erfolg bei der Verbesserung des Ödems.

Anmerkung:

Wer sich genauer über das Lymphödem informieren möchte, findet unter dem Menüpunkt “Infos/weiterführende Links”  oder in dem nachstehend aufgeführtem Buch detaillierte Informationen:

Evelyn Ohlert: DIAGNOSE “LYMPHÖDEM”; Grundlagen, Erfahrungsberichte und Wissenswertes über das Leben mit einem Lymphödem; Ein Nachschlagewerk für Interessierte und Menschen mit einem Lymphödem; 2. überarbeitete Auflage 2018

Anfragen zum Erwerb und Preis des Buches erhalten Sie gerne über: hp.eohlert@gmx.net

Was ist ein Lipödem?

Das Lipödem ist eine atypische und symmetrische Häufung von krankhaft verändertem Fettgewebe an Hüften und Oberschenkeln, das im fortgeschrittenen Verlauf auch an Unterschenkeln, an den Armen und im Nacken auftreten kann.
Viele Betroffene neigen häufig zu blauen Flecken (seltener zu Entzündungen) und klagen über Spannungsgefühle sowie Druckschmerzen, die durch Wassereinlagerungen in das krankhaft veränderte Fettgewebe entstehen.

Das Lipödem tritt fast ausschließlich bei Frauen auf, meist in der Pubertät, Schwangerschaft oder in den Wechseljahren. Hauptursachen sind neben der genetischen Veranlagung meist hormonelle Veränderungen und Übergewicht. Es liegt keine primäre Schädigung des Lymphsystems vor.

Was ist ein Lipo-Lymphödem?

Durch die Entwicklung eines Lipödems (chronische Fettverteilungsstörung) können die Lymphgefäße die vermehrte, lymphpflichtige Last aufgrund der verstärkten Fettvermehrung nicht mehr vollständig abtransportieren. In diesem Fall kann es zusätzlich zu dem Lipödem zu einem sekundären Lymphödem kommen. Diese Kombinationsform nennt man dann Lipo-Lymphödem. Die Stadieneinteilung, Diagnose und Behandlung gleicht der des Lymphödems.