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Was ist ein Lymphödem?
Das Lymphödem ist die sogenannte Insuffizienz des Lymphgefäßsystems, was bedeutet, dass die lastpflichtige Lymphflüssigkeit im Gewebe nicht bedarfsgerecht abtransportiert werden kann. Dadurch bildet sich eine sicht- und tastbare Flüssigkeitsansammlung in den Zellzwischenräumen, die sowohl die Extremitäten, den Kopf, den Hals, den Rumpf als auch die Genitalien betreffen kann.

Das Lymphödem unterscheidet sich zunächst im Ursprung der Bildung in zwei grundlegende Arten:

Zunächst kann das Lymphödem primär in Erscheinung treten, das heißt, dass eine angeborene Fehlentwicklung des Lymphsystems vorliegt. Die Schädigung tritt dabei jedoch nicht zwingend direkt nach der Geburt auf, sondern kann sich auch erst zu einem späteren Zeitpunkt ausprägen. Mögliche Auslöser können hierbei Bagatellverletzungen oder Traumen sein.

Im Gegensatz dazu kann das Lymphödem auch sekundär entstehen, zum Beispiel durch Tumorerkrankungen, operative Eingriffe, fortgeschrittenen Krampfaderleiden oder auch Infektionen. Als Resultat geht eine mechanische Abflussstörung der Lymphe hervor und der Stau bewirkt im Weitergang ein Ödem, welches durch die pathologische Veränderung des Gewebes „erworben“ wird.

Das Lymphödem muss grundsätzlich durch Komplexe Physikalische Entstauungstherapie behandelt werden. Dabei ist es unerheblich, ob ein akutes oder ein chronisches Lymphödem vorliegt.

 

Stadieneinteilung des Lymphödems

Generell wird das Lymphödem in vier Stadien eingeteilt:

Stadium 0
Das Lymphgefäßsystem arbeitet noch bedarfsgerecht, weist aber bereits erste Veränderungen im Gewebe auf. Es liegt noch kein eigentliches Ödem vor und die Diagnose ist nur über eine Lymphszintigrafie möglich

Stadium 1
Das Ödem ist noch sehr weich und im betroffenen Gewebe lässt sich leicht eine Delle eindrücken, die sich jedoch wieder schnell zurückbildet

Stadium 2
Die Schwellung des Gewebes hält dauerhaft an, das Ödem ist bereits verhärtet und eine Hautdelle lässt sich nur noch schwer bzw. gar nicht mehr eindrücken

Stadium 3
Die vorliegende Elefantiasis zeigt eine extreme, unförmige Zunahme der Schwellung des Gewebes und die deutliche Verhärtung der Haut. Zudem treten meist warzenförmige Hautveränderungen auf, die sich leicht zu einer lebensbedrohlichen Wundrose (Erysipel) verändern kann. Weitere Merkmale können Hautrötungen, Bläschen und Fisteln sein

 

Diagnose des Lymphödems

Diagnostiziert wird das Lymphödem in der Regel von einem Facharzt (Phlebologe, Lymphologe, Dermatologe, Angiologe) durch eine ausführliche Feststellung der bisherigen Krankengeschichte (Anamnese), das Betrachten (Inspektion) und Abtasten (Palpation) des Körpers.

Die medizinische Vorgeschichte spielt dabei eine wichtige Rolle, da sie viele Hinweise auf die Entwicklung des Krankheitsbildes geben kann. Durch das Betrachten der Haut achtet der Arzt genau auf das Auftreten der Schwellung, eine eventuelle Hautverfärbung und auf mögliche Wunden. Auch der Tastbefund ist sehr bedeutend für die Diagnose. Hierbei werden allem voran das Stemmer’sche Zeichen, die Dellbarkeit des Ödems, die Schmerzempfindlichkeit bei Druck von außen und eventuelle Verhärtungen der Haut überprüft. Häufig wird auch das Volumen der betroffenen Stelle gemessen und die Diagnose wird zumeist durch einen Doppler-Ultraschall abgerundet, wobei die Lymphspalten ihrer Größe nach beurteilt werden können.

Spezialdiagnostik beim Lymphödem

Indirekte Lymphographie
Unbedenkliche Untersuchung mit minimaler Strahlenbelastung, wobei ein wässriges Röntgenkontrastmittel in die Haut gespritzt und anschließend ein reguläres Röntgenbild gefertigt wird, wovon sich die Beschaffenheit der Lymphgefäße beurteilen lässt.

Lymphszintigrafie
Risikofreie Untersuchung der Funktionalität der Lymphgefäße auf Grundlage eines nuklearmedizinischen Stoffes, welcher unter die Haut der betroffenen Region gespritzt wird und mittels Strahlungsintensität der zuständigen Lymphknoten beurteilt wird.

 

Behandlung des Lymphödems

Generell gibt es zwei Therapieformen für die Behandlung des Lymphödems: zum einen die chirurgische und zum anderen die konservative Therapie. Ein Lymphödem heilt nicht von selbst und daher ist eine Behandlung dringend notwendig, um ein Fortschreiten der Schwellung zu verhindern.

Die chirurgische Variante wird in zwei Gruppen eingeteilt:

Absolute Indikation
In diesem Fall führt das Lymphödem nicht beherrschbaren Funktionsausfällen bzw. früher oder später zum Tod, z.B. massive Blutungen, Organrupturen, bösartige Geschwülste oder Perforationen.

Relative Indikation
Hierzu zählen alle anderen Indikationen. Die Lebensqualität bzw. die Lebenserwartung kann durch eine Operation deutlich verbessert werden, als ohne chirurgischen Eingriff.

In erster Linie wird das Lymphödem jedoch mittels konservativer Therapie behandelt. Diese Form ist bei korrekter Indikation und richtiger Durchführung risikofrei.

Die sog. „Komplexe Physikalische Entstauungstherapie“ (KPE) besteht aus vier grundlegenden Säulen:

  • Hautpflege
  • Manuelle Lymphdrainage (ML)
  • Kompression / Bandagierung
  • Bewegung / entstauende Gymnastik (KG)

Die KPE unterteilt sich wiederum in zwei Phasen:

  • Phase 1 – Entstauung
  • Phase 2 – Erhaltung und Optimierung

In der ersten Phase wird das Lymphödems ursprünglich (kausal) behandelt. Hierbei wird mittels täglicher, manueller Lymphdrainage (ML) der Lymphabfluss intensiviert, die lymphpflichtige Last wird in herzwärtige Richtung zu den zentralen Lymphstämmen geleitet, das verhärtete Bindegewebe wird gelockert und die Muskelpumpe wird durch die Bewegung in Bandagen aktiviert. Diese Form der Behandlung wird je nach Stadium entweder ambulant oder stationär durchgeführt.

Die zweite Phase schließt sich nahtlos an die Entstauung an. Die Hautpflege sollte weiterhin täglich erfolgen. Die Manuelle Lymphdrainage hingegen wird in der Regel je nach Schweregrad auf ein bis drei Behandlungen pro Woche reduziert und die Bandagen werden durch eine medizinische, maßgefertigte, flachgestrickte Kompressionsversorgung ersetzt. Die Bewegung in Kompression ist in jedem Fall fortzuführen. Dieser Teil der Behandlung des Lymphödems ist als lebenslänglich zu betrachten, da die Schwellung im eigentlichen Sinne nicht heilbar ist, sondern nur konserviert werden kann. Bei Verschlechterung des Ödems kann die Phase 1 der Entstauung jederzeit wiederholt werden.

Beide Phasen sollten in jedem Fall durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung, sowie regelmäßige Bewegungseinheiten ergänzt werden. Die aktive Mitarbeit des Patienten („Compliance“) ist unumgänglich, um den Erfolg der konservativen Therapie möglichst konstant zu halten. Die Lebensweise sollte in jedem Fall so gestaltet werden, dass die lymphpflichtige Last nicht erhöht bzw. die Transportkapazität der Lymphgefäße nicht gefährdet wird.

 

Hautpflege

Flächenmäßig ist die Haut ist das größte Organ des menschlichen Körpers. Sie muss daher täglich gründlich gereinigt und gepflegt werden, um Verletzungen, Entzündungen, Infektionen und Wundheilungsstörungen vorzubeugen. Beim Lymphödem ist die häufigste Komplikation die Wundrose (Erysipel), eine bakterielle Infektion, welche die Schwellung deutlich verschlimmern kann.

Durch die Bandagierung in Phase 1 oder die Kompressionsbestrumpfung in Phase 2 ist die Haut zudem ständig in Gefahr, auszutrocknen, rissig oder schuppig zu werden. Diese Tatsache wird durch die tägliche Pflege mit pH-neutralen Reinigungs-Produkten und speziellen, rückfettenden / feuchtigkeitsspendenden Lotionen deutlich minimiert.

 

Manuelle Lymphdrainage (ML)

Der Therapeut beginnt zunächst mit der zentralen Anregung der Lymphgefäße im Hals-, Achsel-, Bauch- und Leistenbereich. Dabei wird die lymphpflichtige Last immer in Richtung des Herzens zum funktionellen Bereich des Lymphgefäßsystems geleitet. Die Manuelle Lymphdrainage zeichnet sich durch kreisförmige, großflächige Bewegungen in Kombination mit bestimmten Dreh-, Pump- und Schöpfgriffen unterschiedlicher Stärke aus, wobei der Lymphabfluss in den funktionierenden Lymphgefäßen erhöht wird und die ödemreichen Partien gelockert werden.

Bei folgenden Erkrankungen ist von der Manuellen Lymphdrainage jedoch in jedem Fall abzuraten:

  • Aktute Entzündungen durch pathogene Keime
  • Dekompensierte Herzinsuffizienz
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
  • Unklarer Tumorbefund
  • Venenthrombose

 

Kompressionstherapie

Die Kompression ist bei der KPE ein unumgänglicher Bestandteil nach jeder Manuellen Lymphdrainage, um über Druck von außen, die positive Wirkung der Behandlung durch den Lymphtherapeuten zu erhalten bzw. um einen Rückfluss der Lymphe in die entstaute Extremität zu verhindern.

In der Phase 1 erfolgt die Kompression direkt nach der Manuellen Lymphdrainage durch einen mehrlagigen, lymphologischen Kompressionsverband mit Kurzzugbinden, welcher mit weichen Polstermaterialien kombiniert wird. Die wesentliche Eigenschaft der Kurzzugbinden ist der hohe Arbeitsdruck bei niedrigem Ruhedruck, wobei die Muskulatur und der Lymphabfluss optimal gefördert werden.

Der Verband gewährleistet einen gezielt abnehmenden Druckverlauf ohne Ein- oder Abschnüren der Extremität und ohne Einschränkung der Beweglichkeit. Von entscheidender Bedeutung ist hierfür in jedem Fall das Beherrschen der anspruchsvollen Wickeltechnik durch den Lymphtherapeuten. Zudem ist auch hier die Compliance des Patienten zwingend notwendig, denn in der Regel werden die Bandagen bis zur nächsten Manuellen Lymphdrainage nicht abgewickelt.

Der Vorteil dieser Kompressionsvariante ist die tägliche, individualisierte Anpassung des Materials an den jeweiligen Umfang der betroffenen Extremität.

Um das positive Ergebnis der Entstauung zu erhalten, kommen in der anschließenden Phase 2 medizinische Kompressionsstrümpfe in Flachstrickqualität zum Einsatz. Die Kompressionsstrümpfe sind im Vergleich zum Kompressionsverband alltagstauglich und einfach zu handhaben. Diese Art der Versorgung muss in jedem Fall maßgefertigt sein, um die schwankenden Umfänge der jeweiligen Extremität lymphologisch optimal zu versorgen. Flachstrickversorgungen gibt es für Hände, Arme, Kopf, Thorax, Zehen und Beine in vier verschiedenen Kompressionsklassen und die Wahl hängt davon ab, inwieweit das jeweilige Ödem ausgeprägt ist.

 

Also MERKE: keine Manuelle Lymphdrainage ohne anschließende Kompression!

 

Bewegung / entstauende Gymnastik (KG)

Egal, welche Form der Kompression verwendet wird – die Bewegung ist in jedem Fall ein wesentlicher Bestandteil der KPE, denn nur dadurch kann die sich Therapie in voller Wirkung entfalten. Die Muskulatur wird alleine durch das Gehen kontrahiert und die Muskelpumpen kommen voll zum Einsatz. Es kommt also automatisch zu einer Entstauung der betroffenen Extremität. Gezielte, sorgfältig ausgewählte und abgestimmte Gymnastikübungen ergänzen den therapeutischen Erfolg bei der Verbesserung des Ödems.

Was ist ein Lipödem?

Das Lipödem ist eine atypische und symmetrische Häufung von krankhaft verändertem Fettgewebe an Hüften und Oberschenkeln, das im fortgeschrittenen Verlauf auch an Unterschenkeln, an den Armen und im Nacken auftreten kann.
Da das Fettgewebe zu Wassereinlagerungen neigt, leiden viele Betroffene unter Spannungsgefühlen, Druckschmerzen, blauen Flecken oder – wenn auch seltener – zu Entzündungen.

Das Lipödem tritt fast ausschließlich bei Frauen auf.
Neben der genetischen Veranlagung können auch hormonelle Veränderungen und insbesondere Gewichtszunahme potenzielle Ursachen sein, so dass die Erkrankung oft auch nach der Pubertät, einer Schwangerschaft oder während der Wechseljahre auftritt.

Was ist ein Lipo-Lymphödem?

Durch die Entwicklung eines Lipödems (chronische Fettverteilungsstörung) können die Lymphgefäße die vermehrte, lymphpflichtige Last aufgrund der verstärkten Fettvermehrung nicht mehr vollständig abtransportieren. In diesem Fall kann es ebenfalls zu einem sekundären Lymphödem kommen. Diese Kombinationsform nennt man dann Lipo-Lymphödem. Die Stadieneinteilung, Diagnose und Behandlung gleicht der des Lymphödems.